Das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) luden am Montagabend (15.12.2025) zu einem Parlamentarischen Abend in Berlin ein. Unter dem Motto „Citizen Science – Gemeinsam forschen! Gemeinsam in Bewegung bringen!“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Forschung, Behörden und Zivilgesellschaft die wachsende Bedeutung von Bürgerforschung für politische Entscheidungsprozesse, gesellschaftliche Teilhabe und den Schutz von Natur und Umwelt.
Citizen-Science-Projekte gewinnen in Deutschland seit Jahren an Bedeutung. Sie ermöglichen es Bürgerinnen und Bürgern, aktiv an Forschungsprozessen mitzuwirken – von der Datenerhebung bis zur Interpretation – und leisten damit einen Beitrag zu gesellschaftlich relevanten Fragestellungen. „Citizen Science bedeutet gemeinsames Forschen, gemeinsames Wissen schaffen. Dadurch entsteht nicht nur Innovation für Forschung, sondern auch echte gesellschaftliche Teilhabe an Wissenschaft, und somit auch Vertrauen in Wissenschaft.“ sagt Prof. Aletta Bonn, Forschungsgruppenleiterin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), bei iDiv und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Citizen Science als Baustein für nationale Umweltziele
Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, wie Citizen Science künftig dazu beitragen kann, zentrale gesellschaftliche Herausforderungen besser zu bewältigen. „Wenn Bürgerinnen und Bürger Schmetterlinge zählen, die Schadstoffbelastung in Gewässern messen oder die Wirkung von Renaturieungsmaßnahmen überprüfen, sammeln sie nicht nur wichtige Daten. Sie stärken dabei auch die Identifikation mit einer wissenschaftlich fundierten Klima-, Wasser- und Naturschutzpolitik. Das leistet Citizen Science, und darum muss die Bundesregierung diesen Ansatz dringender denn je in ihre umweltpolitischen Programme integrieren“, sagt DUH- Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner.
Das Leitbild der Citizen Science Strategie 2030 sieht vor, dass Bürgerforschung im Jahr 2030 „praxisnahe Erkenntnisse zu gesellschaftsrelevanten Fragestellungen liefert und evidenzbasierte Entscheidungen in Politik und Management unterstützt.“ Diskutiert wurde, wie dieses Leitbild durch stärkere Kooperationen zwischen Zivilgesellschaft, Behörden, Wissenschaft und Politik, aber auch durch klare politische Rahmenbedingungen, erreicht werden kann.
Wie Citizen Science Politik und Wissenschaft unterstützen kann
Eingangsstatements von iDiv sowie Gästen des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) hoben zudem das große Potenzial von Citizen Science für Wissenschaft, Politik und Gesellschaft hervor. Angesichts der zahlreichen politischen Verpflichtungen – von der Nationalen Wasserstrategie über die Nationale Biodiversitätsstrategie bis hin zur Umsetzung der neuen EU-Wiederherstellungsverordnung – biete Bürgerforschung viele Potentiale: Bei Daten und Monitoring, Erfolgskontrolle und gesellschaftlicher Teilhabe könnte die Bürgerforschung einen entscheidenden Beitrag leisten. Doch es fehle an langfristigen Finanzierungsmöglichkeiten, einem sicherer Rechtsrahmen und breitem Zugang zu Citizen-Science-Initiativen.
Ein hochkarätig besetztes Podium mit Vertreterinnen und Vertretern des Deutschen Bundestages, des Umweltbundesamtes (UBA), des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), des Deutschen Angelfischerverbandes (DAFV) und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) beleuchtete, wie Citizen Science politisches Handeln unterstützen und seine Wirkung erhöhen kann. Erste nächste Schritte könnten eine stärkere sektorübergreifende Kooperationen und den Aufbau belastbarer Partnerschaften zur Umsetzung der Strategie 2030 umfassen.
Hintergrund
Der Wandel der Ökosysteme und Lebensgemeinschaften und der globale Verlust an Arten gehören zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Seit 2012 erforschen iDiv-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler diese Veränderungen und erarbeiten Grundlagen für evidenzbasierte Politik und Praxis. 290 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus mehr als 40 Nationen arbeiten heute bei iDiv an einer großen Breite an Forschungsfeldern: von den Interaktionen zwischen Tier, Pflanze und Mikroben zu den Trends des globalen Biodiversitätswandels. Zusätzlich forschen mehr als 150 Mitgliedergruppen an verschiedenen Standorten in Halle, Jena und Leipzig.
Der 2024 gegründete iDiv e. V. sichert die langfristige Verstetigung des Forschungszentrums als Einrichtung seiner Gründungsmitglieder: der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der Universität Leipzig. Die drei Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen übernehmen die Grundfinanzierung des Forschungszentrums.
Ansprechpersonen
Prof. Dr. Aletta Bonn
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig
Friedrich-Schiller-Universität Jena
E-Mail: aletta.bonn@idiv.de
Kati Kietzmann
Medien und Kommunikation
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig
E-Mail: kati.kietzmann@idiv.de
Telefon: +49-341-97-39222
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v. l. n. r.): Alexander Seggelke (DAFV), Julia Vismann (Moderation), Barbara Metz (DUH), Lilian Busse (UBA), Holger Mann (Mitglied des Bundestags) und Aletta Bonn (UFZ, iDiv und Universität Jena)
