Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung der Universität Wien.
Erstmals wurden hochauflösende globale Karten zum Ausbreitungsrisiko für Tausende gebietsfremder Pflanzenarten unter aktuellen Bedingungen sowie unter zukünftigen Klima- und Landnutzungsszenarien erstellt. Verantwortlich dafür ist ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Wien, an dem auch Forscher des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) beteiligt sind.
Die Ergebnisse, veröffentlicht in Nature Ecology & Evolution, zeigen, dass sich die globalen Hotspots der Ausbreitung gebietsfremder Pflanzen geografisch verlagern werden: Gemäßigte Regionen werden künftig einem steigenden Risiko ausgesetzt sein, während das Risiko in einigen subtropischen Gebieten zurückgehen könnte.
Die Einschleppung gebietsfremder Arten in neue Regionen durch den Menschen ist zunehmend verbreitet. Viele dieser Arten breiten sich stark aus und beeinträchtigen einheimische Arten sowie lokale Lebensgrundlagen.
„Diese einzigartige und umfangreiche Datensammlung und Modellierung sagt starke Veränderungen der Pflanzengemeinschaften in nördlicheren, kälteren Regionen in der Zukunft voraus“, erklärt iDiv‑Forscher Dr Marten Winter, Mitautor und Mitbegründer der der Studie zugrunde liegenden GloNAF-Datenbank.
Die Forscherinnen und Forscher kombinierten globale Daten zur Verbreitung gebietsfremder Pflanzen mit Umweltvariablen, um das Ausbreitungsrisiko von 9.701 Arten zu modellieren. Mithilfe hochauflösender Daten und robuster Modellierungsansätze bewerteten sie aktuelle Muster und prognostizierten zukünftige Veränderungen unter verschiedenen Klima- und Landnutzungsszenarien bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.
„Insgesamt haben wir festgestellt, dass ein Drittel der globalen Landfläche derzeit für mindestens 10 % dieser invasiven Arten geeignet ist, was diese Gebiete zu Invasions-Hotspots macht, in denen mit dem Vorkommen vieler gebietsfremder Pflanzen zu rechnen ist“, erklärt erstautor Ali Omer vom Universität Wien. „Die meisten dieser aktuellen Hotspots befinden sich in subtropischen und warm-gemäßigten Regionen, darunter bereits große Teile Europas.“
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Europa zu den Regionen gehört, die weltweit einem der höchsten Ausbreitungsrisiken ausgesetzt sind.
Aktuelle Hotspots der Ausbreitung werden sich polwärts verlagern
Hotspots werden sich voraussichtlich in kältere Regionen wie Mitteleuropa verlagern und in zunehmend heißen und trockenen subtropischen und semiariden Regionen zurückgehen. Gleichzeitig werden abgelegene Gebiete in borealen und polaren Regionen anfälliger für die Ausbreitung gebietsfremder Pflanzen, was zunehmende negative Auswirkungen auf diese derzeit oft unberührten Ökosysteme haben könnte.
Neue Gruppe gebietsfremder Pflanzen ersetzt bisherige Arten
„Unsere Auswertung zeigt, dass sich nicht nur die Lage der Invasions-Hotspots, sondern auch die Zusammensetzung der invasiven Arten ändern wird“, hebt Omer hervor. Unter den Bedingungen eines starken Klimawandels könnte es in einigen Regionen kaum Überschneidungen zwischen den aktuellen und zukünftigen Gemeinschaften nicht heimischer Pflanzenarten geben, was auf einen erheblichen Artenwechsel hindeuten würde. Die Forschenden erwarten, dass eine neue Gruppe von gebietsfremden Pflanzenarten, die an wärmere Bedingungen angepasst sind, in viele Regionen eindringen wird.
Die Studie unterstreicht die Dynamik pflanzlicher Ausbreitung im Kontext des globalen Wandels. Die Verlagerung der Hotspots in Richtung dicht besiedelter gemäßigter Regionen dürfte die Auswirkungen auf die einheimische Biota und das Wohlergehen der Menschen verstärken. Diese erste hochauflösende globale Bewertung des Ausbreitungsrisikos für Tausende gebietsfremder Pflanzenarten liefert eine wichtige Grundlage für die Entwicklung proaktiver und regionsspezifischer Managementstrategien zur Verringerung der Auswirkungen biologischer Ausbreitungen unter sich verändernden Umweltbedingungen.
Originalpublikation
(Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit iDiv-Affiliation fett gedruckt)
Omer A., Dullinger S., Wessely J., Lenzner B., García‑Rodríguez A., Schertler A., Moser D., Gattringer A., Davis A. J. S., Dawson W., Fristoe T. S., Grenié M., Kinlock N. L., Kreft H., Pergl J., Pyšek P., van Kleunen M., Weigelt P., Winter M., Zurell D. & Essl F. (2026) The global geography of plant invasion risk under future climate and land‑use changes.Nature Ecology and Evolution. DOI:10.1038/s41559-026-03040-2
Ansprechpartner
Dr Marten Winter
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig – iDiv
Universität Leipzig
Leiter von sDiv
Telefon:+49 341 9733129
E-Mail: marten.winter@idiv.de
Christine Coester
Abteilung Impact
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig – iDiv
Telefon: +49 341 9733197
E-Mail: christine.coester@idiv.de
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