Basierend auf einer Pressemitteilung der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Bundesumweltminister Carsten Schneider hat heute in Erfurt das Citizen-Science-Projekt FLOW besucht und gemeinsam mit Mitgliedern des Sportfischervereins Bischleben e. V. und des Deutschen Angelfischerverbands (DAFV) die Gewässergüte der Gera untersucht. An dem bundesweiten Forschungsprojekt sind die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig (iDiv) beteiligt.

Gemeinsam mit Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftlern untersucht FLOW den ökologischen Zustand kleiner Fließgewässer. Im Mittelpunkt des Ministerbesuchs stand die Frage, wie Wissenschaft, Zivilgesellschaft und lokale Akteure gemeinsam zum Schutz und zur ökologischen Aufwertung von Bächen beitragen können.

Bundesumweltminister: „Wir müssen Bächen und Flüssen wieder mehr Raum geben“

Bei dem Termin an der Gera in Erfurt-Bischleben beteiligte sich Bundesumweltminister Schneider selbst an der Gewässeruntersuchung. Gemeinsam mit Beteiligten des FLOW-Projekts sowie örtlichen Anglerinnen und Anglern nahm er den Zustand des Flusses in den Blick. Im sich anschließenden Gespräch tauschten sich die Anwesenden darüber aus, wie kleine Fließgewässer geschützt und ihre natürliche Struktur wiederhergestellt werden können.

„Gerade dieser Sommer ist ein Weckruf, dass wir mit der wertvollen Ressource Wasser anders umgehen müssen als bisher. Das sehen wir mit dem aktuellen Niedrigwasser vor allem an den großen Wasserstraßen. Natürliche Wasserräume speichern Wasser, kühlen die Umgebung und sorgen für Grundwasserbildung. Daher müssen wir Bächen und Flüssen wieder mehr Raum geben, ihre Auen und Überflutungsflächen stärken. Das hilft auch, den Gewässerzustand zu verbessern. Damit wir einen Überblick über den Zustand der vielen kleinen Bäche und Flüsse im Land haben, sind freiwillige Bürgerforschungsprojekte wie FLOW wertvoll und überaus hilfreich, um Bürgerforschung mit Engagement vor Ort zu verbinden. Ich danke allen Ehrenamtlichen für ihren wichtigen Einsatz für unsere Natur. Und besonders freut mich, dass auch Angler wie hier beim FLOW-Projekt mit dabei sind und Verantwortung übernehmen“, betont der Bundesumweltminister.

Bürgerforschung generiert Daten zu kleinen Fließgewässern

Seit 2021 haben im Citizen-Science-Projekt FLOW rund 2.000 Freiwillige in etwa 200 regionalen Gruppen bundesweit mehr als 500 Probestellen in kleinen Fließgewässern untersucht. Die Teilnehmenden werden dafür geschult und erfassen nach einem standardisierten Verfahren die Gewässerstruktur, die chemisch-physikalische Wasserqualität sowie die Gemeinschaft wirbelloser Tiere, vor allem von Insektenlarven.

Die Zusammensetzung dieser Tiergemeinschaften liefert Hinweise darauf, wie stark die untersuchten Gewässer beispielsweise durch Schadstoffe belastet sind. Die bisherigen Untersuchungen des Projekts zeigen, dass etwa 60 Prozent der beprobten landwirtschaftlich geprägten Bäche den guten ökologischen Zustand nach der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie verfehlen.

Wo Forschung und gesellschaftliches Engagement zusammenfinden

Die im FLOW-Projekt geknüpfte Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und gesellschaftlichem Engagement ergänzt das behördliche Gewässermonitoring und ermöglicht es Bürgerinnen und Bürgern, selbst zum Schutz ihrer Umwelt beizutragen.

„Forschung muss in die Gesellschaft hineinwirken und profitiert gleichzeitig von einem breiten öffentlichen Verständnis davon, was Forschung bedeutet. Durch FLOW konnten alle Beteiligten die lokalen Gewässer auf ganz neue Weise wahrnehmen und neue wertvolle Erkenntnisse für uns alle gewinnen“, sagt Dr. Anne Wesemann, kaufmännische Geschäftsführerin von iDiv. „Das gesellschaftliche Verständnis von Biodiversität zu fördern, ist auch deshalb ein zentrales Anliegen unseres Forschungszentrums. iDiv ermöglicht als Kooperationsnetzwerk mit Beteiligung des Bundes und der mitteldeutschen Länder, nicht nur die wissenschaftliche Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg, sondern bezieht auch die Bürgerinnen und Bürger vor Ort bewusst mit ein.“

Vom Beobachten zum Handeln

Gemeinsam mit dem Deutschen Angelfischerverband wollen die Wissenschaftspartner nicht nur den gegenwärtigen Zustand kleiner Fließgewässer untersuchen, sondern auch einfache, lokal umsetzbare Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung von Bächen unterstützen.

„Mehr als 6 Mio. Menschen angeln in Deutschland. Sie sind vor Ort, kennen ihre Bäche und Flüsse und sehen, wenn sich etwas verändert. Deshalb ist es wichtig, ihre Erfahrungen und ihr Engagement mit wissenschaftlicher Forschung zu verbinden und sie als aktive Gestalter des Gewässerschutzes zu verstehen. FLOW zeigt, wie wichtig Teilhabe für den Gewässerschutz ist und wie wir die Kräfte vor Ort für konkrete Gewässerverbesserungen nutzen können“, sagt der Geschäftsführer des Deutschen Angelfischerverband e.V., Alexander Seggelke.

Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Ehrenamt soll dabei perspektivisch über das Monitoring hinausgehen: So plant das FLOW-Team Erkenntnisse aus den Untersuchungen unmittelbar vor Ort aufzugreifen und direkte Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung kleiner Fließgewässer anzustoßen. „Viele Menschen engagieren sich in der Wissenschaft, weil sie gemeinsam etwas erreichen möchten. Jetzt wollen wir auf den FLOW-Daten aufbauen und gemeinsam mit lokalen Gruppen den Schritt von Citizen Science zu Citizen Action gehen, um Bäche auch ganz praktisch ökologisch aufzuwerten“, kündigt Projektleiterin Prof. Dr. Aletta Bonn, Professorin an der Uni Jena und Forschungsgruppenleiterin bei UFZ und iDiv, an.

Hintergrund zum Projekt FLOW

FLOW ist eins von vier Leuchtturm-Citizen-Science-Förderprojekten des Nationalen Monitoringzentrums zur Biodiversität (NMZB) und des Bundesamtes für Naturschutzes (BfN), das mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert wird. Projektpartner ist der Deutsche Angelfischerverband (DAFV). Die wissenschaftliche Koordination liegt bei UFZ, iDiv und der Universität Jena.

Fotos vom Besuch des Bundesumweltministers und der Gewässeruntersuchung stehen zum Download bereit ab 15:00 CEST

Kontakt

Roland Bischof
FLOW-Koordinator (für alle logistischen Fragen zum Termin)
Deutscher Angelfischerverband (DAFV)
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
Mobil: 0175 900 1667
E-Mail: roland.bischof@idiv.de

Prof. Dr. Aletta Bonn 
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
Mobil: 0171 817 8735
E-Mail: aletta.bonn@idiv.de

Bitte beachten Sie die jeweils angegebenen Bildnachweise.