07.01.2020 | iDiv, Biodiversitätssynthese, TOP NEWS, Forschung, Medienmitteilung

Fischarten profitieren von Meeresschutz in unterschiedlichem Ausmaß - Nutzen für häufige und überfischte Arten besonders groß

Meeresschutzgebiete werden häufig mit dem Ziel angelegt, die biologische Vielfalt zu schützen und eine nachhaltige Fischerei zu fördern. www.pixelio.de (Bild: PIXELIO / Klaus Steves)

Meeresschutzgebiete werden häufig mit dem Ziel angelegt, die biologische Vielfalt zu schützen und eine nachhaltige Fischerei zu fördern. www.pixelio.de (Bild: PIXELIO / Klaus Steves)

Meeresschutzgebiete beherbergen typischerweise eine gr&ouml;&szlig;ere Anzahl von Fischen - insbesondere von gro&szlig;en Arten, die in der Fischerei beliebt sind.<br /> &nbsp; (Bild: Maayan Tzuriel)

Meeresschutzgebiete beherbergen typischerweise eine größere Anzahl von Fischen - insbesondere von großen Arten, die in der Fischerei beliebt sind.
  (Bild: Maayan Tzuriel)

Lokale Initiativen zum Schutz der biologischen Vielfalt k&ouml;nnen innerhalb eines gr&ouml;&szlig;eren Systems mariner Schutzgebiete zusammenwirken und positive Synergieeffekte hervorrufen. (Bild: Maayan Tzuriel)

Lokale Initiativen zum Schutz der biologischen Vielfalt können innerhalb eines größeren Systems mariner Schutzgebiete zusammenwirken und positive Synergieeffekte hervorrufen. (Bild: Maayan Tzuriel)

Meeresschutzgebiete im Mittelmeer beherbergen mehr Fischarten, deutliche Zuwächse sind insbesondere bei von Überfischung bedrohten Arten erkennbar.

Leipzig. In Meeresschutzgebieten ist die fischereiliche Sterblichkeit geringer, da in ihnen der Fischfang und die Zerstörung des Lebensraumes eingedämmt werden. Häufig werden sie mit dem Ziel angelegt, die biologische Vielfalt zu schützen und eine nachhaltige Fischerei zu fördern. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass solche Schutzmaßnahmen nicht nur zu einer höheren Zahl der Fische insgesamt führen. Schutzgebiete im nördlichen Mittelmeer beherbergen auch einen größeren Anteil häufiger Fischarten, wobei sich deutliche positive Netzwerkeffekte zwischen einzelnen Gebieten ergeben. Zu diesen Ergebnissen kamen Wissenschaftler verschiedener Forschungseinrichtungen, darunter das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), die Universität von Tel Aviv, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Forschung wurden im Journal of Applied Ecology veröffentlicht und geben neue Einblicke, wie Fischgemeinschaften auf Schutzmaßnahmen reagieren.

Die Küstengebiete im Mittelmeer beherbergen mehr als eine Million Menschen. Seit Jahrhunderten sind diese Gebiete verschiedenen menschengemachten Stressfaktoren ausgesetzt, wie die Belastung durch Nährstoffe oder die Nutzung natürlicher Ressourcen.

Aktuell sind 6,5 % des Mittelmeeres als Schutzgebiete mit unterschiedlichem Schutzniveau ausgewiesen, doch lediglich 1 % ist vollständig vor jeglicher extraktiven Nutzung – einschließlich der Fischerei – geschützt. Es ist bekannt, dass solche Maßnahmen die Anzahl der Fische und die Fischbiomasse innerhalb der Schutzgebiete erhöhen, doch die Auswirkungen auf die Anzahl der Arten (Artenreichtum) sind deutlich heterogener. Auch die Belege für eine Zunahme der biologischen Vielfalt durch einen Schutzstatus sind nicht eindeutig. Ein internationales Forscherteam hat nun untersucht, wie Fischbestände im Mittelmeer auf Schutzmaßnahmen reagieren. Dazu verglichen sie die Anzahl der Individuen, die relative Häufigkeit der Arten und ihre Verteilung innerhalb und außerhalb von Schutzgebieten.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass der Meeresschutz einen großen Einfluss auf die biologische Vielfalt hat. Besonders deutlich waren die Auswirkungen auf die relative Häufigkeit der Arten innerhalb der Schutzgebiete. Dabei profitierten seltene und häufige Arten in unterschiedlichem Ausmaß: Ein starker Anstieg war vor allem bei der Anzahl der häufigen Fischarten zu verzeichnen – sowohl in den einzelnen Schutzgebieten als auch insgesamt über alle Schutzgebiete hinweg.

Die Forschenden fanden außerdem heraus, dass die Arten, die besonders von Überfischung bedroht sind, stärker von einem Schutzstatus profitierten als jene Arten, die weniger überfischt sind. Bei den überfischten Arten zeigte sich innerhalb der Schutzgebiete eine Zunahme der Anzahl der Individuen, der häufigen Arten sowie aller Arten zusammengenommen. Dabei war der zahlenmäßige Anstieg der überfischten häufigen Arten auf regionaler Ebene noch stärker als auf lokaler Ebene. Dies deutet darauf hin, dass die biologische Vielfalt von einem Netzwerk von Schutzgebieten innerhalb eines Ökosystems profitiert.

„Diesen Netzwerkeffekt haben wir in Gebieten festgestellt, die unabhängig voneinander ausgewiesen wurden. Sie wurden also nicht unbedingt mit dem Hintergedanken angelegt, ein Netzwerk zu ergeben. Es wäre daher interessant herauszufinden, ob ähnliche Muster auch bei einem Netzwerk von Schutzgebieten auftreten, das mit einer bestimmten Zielstellung angelegt wurde, wie eine Maximierung der Lebensraumvielfalt oder eine bessere Anbindung an andere Schutzgebiete“, meint Erstautor Dr. Shane Blowes, der am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) forscht.

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass eine Betrachtung verschiedener Aspekte der biologischen Vielfalt auf unterschiedlichen Ebenen neue Erkenntnisse bieten kann, wie Gemeinschaften auf Schutzmaßnahmen reagieren. Die Ergebnisse der Wissenschaftler deuten darauf hin, dass Schutzgebiete dabei helfen können, die taxonomische Homogenisierung – möglicherweise eine Folge der Fischerei – rückgängig zu machen. Auch können lokale Initiativen zum Schutz der biologischen Vielfalt innerhalb eines größeren Systems mariner Schutzgebiete zusammenwirken und so positive Synergieeffekte hervorrufen.

 

Originalpublikation
(iDiv-Wissenschaftler fett)

Shane Blowes, Jonathan Chase, Antonio Di Franco, Ori Frid, Nicholas J. Gotelli, Paolo Guidetti, Tiffany Knight, Felix May, Daniel McGlinn, Fiorenza Micheli, Enric Sala, Jonathan Belmaker, 2020. Mediterranean marine protected areas have higher biodiversity via increased evenness, not abundance. Journal of Applied Ecology, 2020;00:1–12. DOI: 10.1111/1365-2664.13549

 

Ansprechpartner:

Dr. Shane Blowes (spricht nur Englisch)
Forschungsgruppe Biodiversitätssynthese
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Tel.: +49 341 9733254
E-Mail: shane.blowes@idiv.de

 

Kati Kietzmann(Deutsch)
Abteilung Medien & Kommunikation
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig
Tel.: +49 341 9733106
E-Mail: kati.kietzmann@idiv.de
Web: www.idiv.de/de/gruppen_und_personen/mitarbeiterinnen/mitarbeiterdetails/eshow/kietzmann_kati.html

 

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