25.10.2018 | TOP NEWS, iDiv-Mitglieder

Akademien empfehlen Sofortmaßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt

Stellungnahme „Artenrückgang in der Agrarlandschaft“

Halle. Die biologische Vielfalt ist in Deutschland in den vergangenen 25 Jahren stark zurückgegangen. Die Arbeitsgruppe „Biodiversität in der Agrarlandschaft“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften empfiehlt deswegen, die anstehende Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik zu nutzen, um Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt zu finanzieren. Zudem sollten Kreise und Kommunen stärker angeregt werden, den Artenreichtum auf ihren Flächen zu fördern. Nicht zuletzt kann auch der Handel beitragen, etwa indem Produkte aus biodiversitätsfreundlicher Produktion gekennzeichnet werden. Diese Handlungsoptionen sind Teil der Kurz-Stellungnahme „Artenrückgang in der Agrarlandschaft: Was wissen wir und was können wir tun?“, die am 24. Oktober in Berlin veröffentlicht wurde. Zu den 16 Mitgliedern der Arbeitsgruppe gehören mit Prof. Helge Bruelheide (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Prof. Katrin Böhning-Gaese (Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum) und Prof. Ralf Seppelt (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ) auch drei Mitglieder des Forschungszentrums iDiv.

Die Ursachen des Artenrückgangs sind vielfältig: Unter anderem schaden die Zunahme bewirtschafteter Ackerbauflächen, die vorbeugende und flächendeckende Nutzung von Pflanzenschutzmitteln, Überdüngung und die sinkende Strukturvielfalt der Landschaft der Biodiversität. In Deutschland gibt es – anders als in anderen europäischen Ländern – kein offizielles und landesweit einheitliches Monitoring der biologischen Vielfalt. Entsprechend setzt sich das Bild vom Zustand der Biodiversität in Deutschland aus sehr vielen Quellen mit verschiedenen Standards und Methoden zusammen. Dies führt zu Kontroversen über Umfang und Ursachen des Phänomens Artenrückgang. Trotzdem lässt sich laut der Kurz-Stellungnahme ein starker Artenrückgang in Deutschland in den letzten 25 Jahren deutlich belegen. Dies gilt auch für ausgewiesene Schutzgebiete. „Dass die Biodiversität in der Agrarlandschaft drastisch abnimmt, haben viele Studien der jüngeren Zeit gezeigt“, erklärt Prof. Helge Bruelheide, Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Co-Direktor des Forschungszentrums iDiv. „Wir wissen aber noch nicht, wie der Rückgang der verschiedenen Artengruppen – z. B. Blütenpflanzen und bestäubende Insekten – sich gegenseitig beeinflusst und welche Folgen dies für den Menschen hat.“ Um die Datenlage zu verbessern, empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein bundesweites und standardisiertes Monitoring der biologischen Vielfalt.

Die Arbeitsgruppe arbeitet an einer umfangreicheren Stellungnahme über den Zustand der Agrarökosysteme und wird Empfehlungen geben, wie Agrarlandschaften einen Lebensraum für eine große Artenvielfalt bieten können.

 

Die Kurz-Stellungnahme „Artenrückgang in der Agrarlandschaft: Was wissen wir und was können wir tun?“ ist auf den Webseiten der beteiligten Akademien veröffentlicht:

www.leopoldina.org/de/biodiversitaet
www.akademienunion.de/neuerscheinungen
www.acatech.de/publikationen

Weitere Informationen zur Arbeitsgruppe „Biodiversität in der Agrarlandschaft“ und ihre Mitgliedern finden Sie auf den Webseiten der beteiligten Akademien:

www.leopoldina.org/politikberatung/arbeitsgruppen/biodiversitaet-in-der-agrarlandschaft/
www.akademienunion.de
www.acatech.de/projekte

 

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Helge Bruelheide
Professor für Geobotanik
Institut für Biologie
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Stellvertretender Direktor des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
Tel.: +49 345 5526222
E-Mail: helge.bruelheide@botanik.uni-halle.de
Web: www.botanik.uni-halle.de/geobotanik/helge_bruelheide/

Tilo Arnhold
Medien und Kommunikation
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
Tel.: +49 341 9733197
Web: https://www.idiv.de/de/gruppen_und_personen/zentrales_management/medien_und_kommunikation.html

Caroline Wichmann
Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
Tel.: +49 345 472 39 800
E-Mail: presse@leopoldina.org
www.leopoldina.org

 

 

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften unterstützen Politik und Gesellschaft unabhängig und wissenschaftsbasiert bei der Beantwortung von Zukunftsfragen zu aktuellen Themen. Die Akademiemitglieder und weitere Experten sind hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland. In interdisziplinären Arbeitsgruppen erarbeiten sie Stellungnahmen, die nach externer Begutachtung vom Ständigen Ausschuss der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina verabschiedet und anschließend in der Schriftenreihe zur wissenschaftsbasierten Politikberatung veröffentlicht werden.

 

 

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