07.05.2014 | Medienmitteilung

sDiv veröffentlicht Studien zum Einfluss eingewanderter Arten

Gefährden gebietsfremde Arten andere Arten oder sogar ganze Lebens-gemeinschaften und wie lässt sich der Einfluss dieser Einwanderer klassifizieren? Einen wichtigen Schritt zur Beantwortung dieser Frage liefern zwei aktuelle Studien eines Expertenteams, an dem Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig beteiligt waren. Die Publikationen sind in den Online-Ausgaben der Fachjournale „PLoS Biology“ (DOI: 10.1371/journal.pbio. 1001850) und „Conservation Biology“ (DOI: 10.1111/cobi.12299) erschienen. Die Täter operieren global: Weltweit wandern fremde Arten ein oder werden eingeschleppt. Dieser 'Artentourismus' hat mitunter gravierende Folgen für die betreffende Region. Im schlimmsten Fall stören die tierischen und pflanzlichen Eindringlinge das Gleichgewicht des Ökosystems, indem sie die gewachsene Struktur der Artengemeinschaft verändern. In diesem Zusammenhang sprechen Fachleute von invasiven Arten. „Uns Wissenschaftler beschäftigt schon seit längerem die Frage, welche Eigenschaften eine Art mitbringen muss, um fremde Ökosysteme besiedeln und massiv in deren System eingreifen zu können“, erklärt der Biologe und sDiv-Koordinator Dr. Marten Winter. Als Co-Autor war er an den Publikationen beteiligt, die im Rahmen des sDiv-Workshops sImpactentstanden. Das internationale Expertenteam entwickelte ein Klassifizierungsmuster, das es erstmals möglich macht, den Einfluss gebietsfremder Arten exakt zu definieren. Jede Kategorie in dieser Klassifizierung steht für ein bestimmtes ökologisches Potential, mit dem der Eindringling auf die lokal beheimateten Arten einwirkt. Die Daten über die Einflüsse, die eine invasive Art auf einzelne Individuen oder komplexe Artengemeinschaften ausübt, lassen sich später unmittelbar miteinander vergleichen. Das ist auch für praktische Naturschutzmaßnahmen von Nutzen: Die
gewonnenen Informationen können beispielsweise dazu verwendet werden,
ein Ranking für invasive Arten zu erstellen und in eine „Schwarze Liste“ zu
überführen – vergleichbar der von der Weltnaturschutzunion IUCN
entwickelten „Roten Liste“ gefährdeter Arten. Das Sekretariat der UN Konvention für biologische Vielfalt (CBD) hat unmittelbar nach Veröffentlichung der Studien das entwickelte Klassifizierungssystem als
sinnvolles Werkzeug anerkannt, um Maßnahmen zur Bekämpfung invasiver
Arten besser zu bewerten und zu priorisieren.

Die Studien:

A Unified Classification of Alien Species Based on the Magnitude of theirEnvironmental Impacts, PLoS Biology, online/open access, DOI:10.1371/journal.pbio.1001850 Defining the Impact of Non-Native Species, Conservation Biology,
online/open access, DOI: 10.1111/cobi.12299

Über sDiv:

Der Workshop sImpact fand vom 1. bis 4. Juli 2013 in Leipzig statt und war Triebfeder für die Erarbeitung der aktuellen Studien. Es sind die ersten Publikationen, die im Rahmen eines sDiv-Workshops erschienen sind. Das Synthesezentrum sDiv ist eingebettet in das aktive Forschungsumfeld des
Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-
Leipzig und dient der Förderung von Theorie und Synthese in den aufstrebenden
Biodiversitätswissenschaften. Als „think tank“ der Biodiversitätsforschung steht sDiv allen offen und finanziert nationale und internationale Arbeitsgruppen, die
theoriegeleitete Synthese zu aktuellen Forschungsthemen anstreben.

Kontakt für Rückfragen:

Dr. Marten Winter
Telefon: +49 341 9733129
marten.winter@idiv.de

Download:

PM Eingewanderte Arten
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