Das FLOW-Monitoring: Hintergrund

Trotz nationaler und internationaler Abkommen zum Gewässerschutz befinden sich viele Bäche und Kleingewässer in Deutschland gegenwärtig in einem unbefriedigenden bis schlechten ökologischen Zustand. Die Gründe dafür sind vielfältig: Eingriffe in Gewässerverlauf und Uferstruktur, intensive Landnutzung in den Gewässereinzugsgebieten und daraus resultierende Nährstoff- und Pestizideinträge. Das Ziel der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) bis zum Jahr 2015 alle Oberflächengewässer in einen ökologisch „guten Zustand“ zu versetzen, wurde in einem Großteil der deutschen Gewässer verfehlt (Umweltbundesamt, 2018). Die ökologische Funktionsfähigkeit von Fließgewässern wird dadurch langfristig beeinträchtigt.

Die sogenannten Makroinvertebraten (aquatisch lebende Insekten, Insektenlarven, Krebstiere, Würmer, Schnecken und Muscheln) sorgen für den Abbau organischen Materials an der Gewässersohle und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Selbstreinigung von Fließgewässern. Viele Makroinvertebraten weisen einen sehr engen Toleranzbereich in Bezug auf die Habitatstruktur, den Sauerstoff- bzw. Nährstoffgehalt und die Pestizidbelastung von Fließgewässern auf. Sie eignen sich daher hervorragend als Zeigerorganismen und werden im nationalen Kleingewässermonitoring (vgl. https://www.ufz.de/kgm/index.php?de=44480) des Umweltbundesamts und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) Leipzig als Indikatoren für den Zustand von Fließgewässern verwendet.

Die Analyse von Makroinvertebratengesellschaften mit Hilfe des SPEAR-Indexes ("SPEcies At Risk", vgl. www.ufz.de/index.php) ist ein zuverlässiges und in verschiedenen biogeografischen Regionen validiertes Verfahren zur Indikation der Pestizidbelastung von Fließgewässern. Bei SPEARpesticides handelt es sich um einen Bioindikator, der Makroinvertebraten anhand bestimmter ökologischer Merkmale klassifiziert und dadurch den Anteil pestizidempfindlicher Arten an einer Probestelle ermittelt. Die so determinierte Artenzusammensetzung gibt Aufschluss über das Ausmaß der Pestizidbelastung des untersuchten Fließgewässers.

Das FLOW-Monitoring soll das 2018 gestartete Kleingewässermonitoring des UFZ und des Umweltbundesamts im Raum Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ergänzen. Bei der Programmkonzeption und -umsetzung ist eine Zusammenarbeit mit dem Umweltmobil-Programm der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) geplant.

Ein wichtiges Ziel des Projekts ist es, die wissenschaftliche Qualität der Citizen-Science-Daten auszuwerten. Hierzu werden die erhobenen Citizen-Science-Daten mit amtlichen Referenzmessungen (behördliches Monitoring für die Wasserrahmenrichtlinie, WRRL) abgeglichen. Es wird eine detaillierte Evaluation der (transformativen) ökologischen Lernprozesse der Freiwilligen sowie der eingesetzten Trainingseinheiten mittels standardisierter Tests bzw. Teilnehmerfragebögen angestrebt. Schließlich sollen Strategien zur Programmoptimierung und zur räumlichen Ausweitung des FLOW-Monitorings herausgearbeitet werden, die eine gezielte und erfolgreiche Umsetzung des Formats als überregionales Fließgewässermonitoring ermöglichen (vgl. Abb. 1).

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