Interview mit Omer Nevo

Seit November 2020 leitet der israelisch-slowakische Biologe Dr. Omer Nevo die neue iDiv-Nachwuchsforschungsgruppe „Evolutionsökologie“. Nevo hat zuletzt am Institut für Evolutionsökologie und Naturschutzgenomik der Universität Ulm gearbeitet. Seine Doktorarbeit hat Nevo am Deutschen Primatenzentrum der Universität Göttingen geschrieben. Die mit „Chemische Ökologie der Samenverbreitung durch Primaten“ betitelte Arbeit wurde mit Magna cum laude bewertet. Nevos neue Forschungsgruppe wird für sechs Jahre über das Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 1,3 Millionen Euro gefördert. Das Programm eröffnet herausragend qualifizierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit, sich durch die eigenverantwortliche Leitung einer Nachwuchsgruppe für eine Hochschulprofessur zu qualifizieren.

 

Herr Nevo, willkommen bei iDiv. Mit welchen Fragen werden Sie sich in Ihrer Forschung bei iDiv in den kommenden Jahren beschäftigen?

Früchte haben sich so entwickelt, dass sie für bestimmte Tiere als Nahrung attraktiv sind, die dann deren Samen verbreiten. Meine Forschung versucht zu verstehen, wie sich die Eigenschaften von Früchten und Tieren in diesem Zusammenhang entwickelt haben. Besonders interessiert mich die chemische Kommunikation – in diesem Falle die parallele Entwicklung des Duftes von Früchten und des Geruchssinns von Tieren. Meine Forschung in den nächsten Jahren wird sich darauf konzentrieren, dies in einer einzigartigen Konstellation zu erforschen: Feigen in Madagaskar, deren Samen von in Madagaskar endemischen Primaten, den Lemuren, verbreitet werden. Neben viel ökologischer Arbeit vor Ort wird das Projekt chemische und genetische Ansätze kombinieren, um zu versuchen zu verstehen, wie sich der Feigengeruch entwickelt hat, um Lemuren zu informieren. Entsprechende Verhaltensexperimente mit Lemuren sollen dann herausarbeiten, wie sich ihr Geruchssinn als Reaktion darauf entwickelt haben könnte.

 

Was macht Ihre Forschung für die Wissenschaft bzw. Gesellschaft relevant? 

Die Samenausbreitung und der ökologische Prozess dahinter ist der Klebstoff, der viele tropische Systeme zusammenhält. Denn würde das Zusammenspiel von Tieren und Pflanzen zusammenbrechen, könnten sich die Wälder nicht mehr regenerieren, was langfristig zu einem erheblichen Verlust der tropischen Artenvielfalt führen würde. 
Darüber hinaus setze ich mein Fachwissen ein, um Naturschutzprojekte zu fördern. In einem meiner Projekte etwa versuchen wir, die chemische Ökologie zu nutzen, um neuartige Methoden zur Erhaltung von Elefantenpopulationen zu entwickeln. Raubzüge von Elefanten sind ein riesiges Problem in allen ihren Heimatgebieten. Sie vernichten dabei nicht selten die gesamte Ernte lokaler Kleinbauern, was die an den Rand ihrer Existenz führt. Solche Konflikte enden oft mit dem Tod der Elefanten. Wir versuchen nun, chemische Signalstoffe zu identifizieren, die als sichere und kostengünstige Abwehrmittel für Elefanten wirken, um die Konflikte zu entschärfen. 

 

Warum haben Sie sich entschieden, zu iDiv zu kommen?

iDiv hat sich als eines der aufregendsten globalen Forschungsinstitute etabliert, da es eine einzigartige Fülle von Wissenschaftlern und Arbeitsgruppen beherbergt, die sich mit Ökologie auf dem neuesten Stand der Forschung befassen. Dies steht in krassem Gegensatz zu den meisten Universitäten, wo Sie Glück haben, wenn Sie zwei oder drei weitere Arbeitsgruppen finden, die vielleicht einige Interessen, Modellorganismen oder Methoden mit Ihnen teilen. Daher bietet meine neue Forschungsgruppe bei iDiv meinen Studenten und mir die einmalige Gelegenheit, unsere Forschung in einem Umfeld durchzuführen, das reich an Fachwissen in den verschiedensten Teilbereichen der Ökologie ist. Ich bin überzeugt, dass dies unserer Forschung sehr zugute kommen wird   und auch die Forschung anderer iDiv-Mitglieder davon profitieren kann.

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