{"id":12276,"date":"2021-05-18T00:00:00","date_gmt":"2021-05-17T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/idiv.caf-dev.de\/der-schutz-der-biologischen-vielfalt-durch-die-gemeinsame-agrarpolitik-ist-machbar\/"},"modified":"2026-05-06T10:53:40","modified_gmt":"2026-05-06T08:53:40","slug":"der-schutz-der-biologischen-vielfalt-durch-die-gemeinsame-agrarpolitik-ist-machbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.idiv.de\/de\/der-schutz-der-biologischen-vielfalt-durch-die-gemeinsame-agrarpolitik-ist-machbar\/","title":{"rendered":"Der Schutz der biologischen Vielfalt durch die Gemeinsame Agrarpolitik ist machbar"},"content":{"rendered":"<div class=\"herosection pb-24 pt-0 no-bg modulclass \" id=\"\">\n                    <div class=\"swiper1noslider  nooverflow swiper \" id=\"slide_6a2cc6fc9e503\">\n        \n                <div class=\"swiper-wrapper\">\n                                            <div class=\"swiper-slide  style_ \" aria-hidden=\"true\" >\n                   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\" id=\"\">\n    <p><strong>Leipzig\/Braunschweig\/Rostock. Ein Team aus 300 europ&auml;ischen Wissenschaftlern hat in Abstimmung mit der EU-Kommission Empfehlungen erarbeitet, wie die k&uuml;nftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europ&auml;ischen Union mit den bereits beschlossenen Instrumenten einen substantiellen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt leisten kann. Der Bericht, verfasst von Forschenden des Deutschen Zentrums f&uuml;r integrative Biodiversit&auml;tsforschung (iDiv), des Helmholtz-Zentrums f&uuml;r Umweltforschung (UFZ), des Th&uuml;nen-Instituts und der Universit&auml;t Rostock, wird der EU-Kommission am 19. Mai in einem &ouml;ffentlichen Online-Symposium vorgestellt.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n                            <\/div>\n                        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>\n\n<div class=\"textbildrepeater pb-24 pt-0 no-bg modulclass \" id=\"\">\n    <div class=\"container\">\n        <div class=\"row\">\n                                                                <div class=\"pb-24   mod_text  col-md-12 offset-md-0 pos_top\">\n                            <div class=\"textrepeater \" id=\"\">\n    <p>Bis Ende Mai will die Europ\u00e4ische Union kl\u00e4ren, nach welchen Regeln die Landwirte im Rahmen der GAP k\u00fcnftig gef\u00f6rdert werden sollen. In einem abschlie\u00dfenden \u201eSuper-Trilog\u201c sollen die bislang z\u00e4hen Verhandlungen zwischen Europ\u00e4ischem Parlament, Ministerrat und EU-Kommission zu Ende gef\u00fchrt werden. Immerhin geht es um 365 Milliarden Euro f\u00fcr die Jahre 2021 bis 2027.<\/p>\n<p>Im Zentrum der Verhandlungen steht die konkrete Ausgestaltung der Gr\u00fcnen Architektur der k\u00fcnftigen GAP. Die Gr\u00fcne Architektur ist die Antwort der EU auf das bisher verfehlte Ziel, die Umweltbilanz der europ\u00e4ischen Landwirtschaft zu verbessern und insbesondere den Verlust der biologischen Vielfalt auf landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen aufzuhalten. Sie umfasst im Wesentlichen drei Instrumente:<\/p>\n<p>(1) Erweiterte Konditionalit\u00e4t: Um GAP-Zahlungen zu erhalten, m\u00fcssen Landwirte fortan h\u00f6here Umweltauflagen verpflichtend einhalten. So muss etwa ein Teil der Fl\u00e4che aus der Produktion genommen und der Natur zur Entfaltung zur Verf\u00fcgung gestellt werden. (2) Dazu kommen wie bisher Agrarumwelt und Klimama\u00dfnahmen (AUKM). (3) Als neues Instrument kommen nun die freiwilligen \u201e\u00d6ko-Regelungen\u201d (Eco-Schemes) hinzu.<\/p>\n<p>\u201eOb die Gr\u00fcne Architektur wirkungsvoll die biologische Vielfalt sch\u00fctzen und f\u00f6rdern kann, h\u00e4ngt sehr von den Details ab \u2014 also, wie viel Schlagkraft ihren Instrumenten beigemessen wird\u201c, sagt Dr. Guy Pe\u2019er, Wissenschaftler bei iDiv und UFZ. \u201eBei der Konditionalit\u00e4t ist beispielsweise entscheidend, wie hoch der Prozentsatz der nicht produktiven Fl\u00e4che sein muss, worauf sich diese Zahl bezieht und welche Ma\u00dfnahmen auf diesen Fl\u00e4chen erlaubt sind.\u201d<\/p>\n<p>Pe\u2019er ist Erstautor eines aktuellen Berichtes, in dem \u00fcber 300 Wissenschaftler aus 22 EU-Mitgliedstaaten Empfehlungen zur spezifischen Ausgestaltung der aktuell vorgeschlagenen GAP geben. So geben sie etwa Hinweise, wie die entsprechenden Instrumente definiert, finanziell ausgestattet und aufeinander abgestimmt werden m\u00fcssen, um effektiv zu sein. Der Bericht entstand in Abstimmung mit der EU-Kommission und ist das Ergebnis von 13 Workshops und einer Online-Expertenbefragung. Er richtet sich vorrangig an politische Entscheidungstr\u00e4ger der EU-Mitgliedstaaten wie etwa Ministerialbeamte, die in der neuen GAP wesentlich gr\u00f6\u00dfere Spielr\u00e4ume bei der Gestaltung von Umweltma\u00dfnahmen haben werden, aber auch Mitarbeiter der EU selbst.<\/p>\n<p>Beleuchtet wird vor allem das neue Instrument, die \u00d6ko-Regelungen. Diese sollen das sogenannte \u201eGreening\u201c abl\u00f6sen, das sich in der bisherigen GAP als weitgehend wirkungslos erwiesen hatte. Statt einen starren Ma\u00dfnahmenkatalog der EU zu bekommen sollen die Mitgliedstaaten k\u00fcnftig selbst entscheiden d\u00fcrfen, was sie f\u00f6rdern wollen. Die \u00d6ko-Regelungen sollen zudem freiwillig sein. Das hei\u00dft, die Landwirte k\u00f6nnen selbst entscheiden, ob sie weitere Ma\u00dfnahmen umsetzen und daf\u00fcr bezahlt werden oder nicht. Wie viel Einfluss die EU-Kommission bei der Umsetzung haben wird, ist Teil der aktuellen Verhandlungen.<\/p>\n<p>Die \u00d6ko-Regelungen sollen einen Teil des Geldes aus der so genannten ersten S\u00e4ule der kommenden GAP, die 70 % des Gesamtbudgets ausmacht, an zus\u00e4tzliche Umweltma\u00dfnahmen kn\u00fcpfen. \u201eDie \u00d6ko-Regelungen k\u00f6nnen zu einem sehr wirksamen Instrument werden\u201d, sagt Guy Pe\u2019er. \u201eJe nachdem wie hier das Verhandlungsergebnis ausf\u00e4llt, kann sich das Budget f\u00fcr diese Ma\u00dfnahmen sogar verdoppeln. Das bringt allerdings nur etwas, wenn damit effektive Ma\u00dfnahmen verkn\u00fcpft sind.\u201d Derzeit fordert das Europ\u00e4ische Parlament 30 % der ersten S\u00e4ule f\u00fcr die \u00d6ko-Regelungen, der Ministerrat will sie auf 20 % begrenzen.<\/p>\n<p>Welche Ma\u00dfnahmen die \u00d6ko-Regelungen umfassen, ist noch offen. Eine Vorgabe der EU an die Mitgliedstaaten wird es nicht geben. \u201eEs kommt nun also darauf an, ob und in welchem Ma\u00dfe die Staaten wirklich den Naturschutz f\u00f6rdern wollen\u201c, sagt Co-Autor Prof. Sebastian Lakner von der Universit\u00e4t Rostock. \u201eIn den Mitgliedsl\u00e4ndern werden aktuell Ma\u00dfnahmen diskutiert, die aus Sicht der Workshop-Teilnehmer nicht immer sinnvoll sind: \u201cPrecision Farming\u201d zum Beispiel erzielt zwar positive Umwelteffekte, ist aber de facto Technologief\u00f6rderung f\u00fcr gro\u00dfe Agrarbetriebe, die diese Technologie eigentlich aus wirtschaftlichem Eigeninteresse einsetzen. Das Beispiel zeigt, dass es dringend notwendig ist, knappe GAP-Mittel auf effektive und f\u00f6rderw\u00fcrdige Ma\u00dfnahmen zu konzentrieren.\u201d<\/p>\n<p>Die Forscher betonen, es sei wichtig, dass sich die Instrumente gegenseitig erg\u00e4nzten. Sie empfehlen<\/p>\n<ul>\n<li>an die GAP-F\u00f6rderung hohe Grundanforderungen (durch Konditionalit\u00e4t) zu stellen, etwa mindestens 5 % der landwirtschaftlichen Betriebsfl\u00e4chen aus der Bewirtschaftung zu nehmen und dem Naturschutz zur Verf\u00fcgung zu stellen<\/li>\n<li>ein R\u00fcckschrittsverbot, also keine Verschlechterung des \u00f6kologischen Zustandes von Lebensr\u00e4umen wie etwa Gr\u00fcnland zuzulassen<\/li>\n<li>Agrarumweltprogrammen als nachweislich effektivste Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Biodiversit\u00e4t eine hohe Priorit\u00e4t bei der Budgetierung agrarumweltpolitischer F\u00f6rderinstrumente der GAP einzur\u00e4umen<\/li>\n<li>als \u00d6ko-Regelungen nur Ma\u00dfnahmen zu f\u00f6rdern, die sich nachweislich als wirksam erwiesen haben, und solche auszuschlie\u00dfen, die von den Landwirten ohnehin umgesetzt werden<\/li>\n<li>ein Punktesystem, um den Nutzen und Wirksamkeit von Ma\u00dfnahmen zu verg\u00fcten<\/li>\n<li>eine gro\u00dfr\u00e4umige Planung der Ma\u00dfnahmen und die Zusammenarbeit der Landwirte zu f\u00f6rdern, da Pflanzen und Tiere sich nicht an die Grenzen einzelner Betriebe halte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was diese Punkte konkret f\u00fcr die einzelnen Mitgliedstaaten bedeuten, ist sehr unterschiedlich. \u201eIn unserem Bericht geben Experten aus den verschiedensten EU-Staaten konkrete und erprobte Empfehlungen, wie die Gemeinsame Agrarpolitik von allen Beteiligten nachhaltig und effizient gestaltet werden kann\u201c, meint Co-Autorin Maren Birkenstock, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Th\u00fcnen Institut f\u00fcr L\u00e4ndliche R\u00e4ume. \u201eEs w\u00e4re w\u00fcnschenswert, wenn dieses Wissen genutzt und die GAP auf Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen entwickelt w\u00fcrde.\u201d<\/p>\n<p>\u201eUnsere Botschaft ist: Eine Trendwende im Agrarland hin zu einem wirksamen Biodiversit\u00e4tsschutz ist machbar. Allerdings nur, wenn diese Aspekte ber\u00fccksichtigt werden\u201c, meint Guy Pe\u2019er. \u201eSonst wird die GAP nur den bisherigen Abw\u00e4rtstrend der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften begleiten, der nicht nur unerw\u00fcnscht ist, sondern konkret die landwirtschaftliche Produktion gef\u00e4hrdet.\u201d<\/p>\n<p>Am 19. Mai stellen die Autoren den Bericht der EU-Kommission in einem \u00f6ffentlichen Online-Symposium vor.<br \/>\nDie unabh\u00e4ngige Studie entstand im Rahmen des Projektes iCAP-BES und wurde gef\u00f6rdert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG; FZT-118).<br \/>\nSebastian Tilch<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Originalver\u00f6ffentlichung:<\/strong><br \/>\n(Wissenschaftler mit iDiv-Affiliation fett)<\/p>\n<p><strong>Pe\u2019er, G.,<\/strong> Birkenstock, M., Lakner, S. &amp; R\u00f6der, N. (2021): The Common Agricultural Policy post-2020: Views and recommendations from scientists to improve performance for biodiversity. DOI: <a href=\"https:\/\/www.thuenen.de\/media\/publikationen\/thuenen-workingpaper\/ThuenenWorkingPaper_175_Vol3.pdf\">10.3220\/WP1620647816000<\/a><\/p>\n<\/div>\n                            <\/div>\n                        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>\n\n<div class=\"textbildrepeater pb-24 pt-0 no-bg modulclass \" id=\"\">\n    <div class=\"container\">\n        <div class=\"row\">\n                                                                <div class=\"pb-24   mod_text  col-md-12 offset-md-0 pos_top\">\n                            <div class=\"textrepeater \" id=\"\">\n    <h3>Ansprechpartner:<\/h3>\n<p><strong>Prof. Dr. Sebastian Lakner<\/strong><br \/>\nAgrar- und Umweltwissenschaftliche Fakult\u00e4t<br \/>\nProfessor f\u00fcr Agrar\u00f6konomie<br \/>\nUniversit\u00e4t Rostock<br \/>\nTel.: +49 381 498 3260<br \/>\nE-Mail: <a href=\"&#x6d;&#x61;&#x69;&#x6c;&#x74;&#x6f;&#x3a;&#x61;&#x67;&#x65;&#x63;&#x6f;&#x6e;&#x40;&#x75;&#x6e;&#x69;&#x2d;&#x72;&#x6f;&#x73;&#x74;&#111;&#99;&#107;&#46;&#100;&#101;\">&#97;&#x67;&#x65;c&#111;&#x6e;&#64;&#117;&#x6e;&#x69;-&#114;&#x6f;s&#116;&#x6f;&#x63;k&#46;&#x64;e<\/a><\/p>\n<p><strong>Maren Birkenstock<\/strong><br \/>\nTh\u00fcnen-Institut f\u00fcr L\u00e4ndliche R\u00e4ume<br \/>\nTel.: +49 531 596 5240<br \/>\nE-Mail: <a href=\"&#x6d;&#x61;&#105;l&#x74;&#x6f;&#58;&#109;a&#x72;&#x65;&#110;&#46;b&#x69;&#x72;&#107;en&#x73;&#x74;&#111;c&#x6b;&#x40;&#116;&#104;u&#x65;&#x6e;&#101;&#110;&#46;&#x64;&#x65;\">&#x6d;&#x61;&#x72;&#x65;&#110;&#46;bir&#x6b;&#x65;&#x6e;&#x73;&#116;&#111;ck&#64;&#x74;&#x68;&#x75;&#x65;&#110;&#101;&#110;&#46;d&#x65;<\/a><\/p>\n<p><strong>Dr. Guy Pe\u2019er<\/strong><br \/>\nDeutsches Zentrum f\u00fcr integrative Biodiversit\u00e4tsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig<br \/>\nHelmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung (UFZ)<br \/>\nAbteilung \u00d6kosystemleistungen &amp; Abteilung \u00d6konomie<br \/>\nTel.: +49 341 97 33182<br \/>\nE-Mail: <a href=\"&#x6d;&#97;i&#x6c;&#116;o&#x3a;&#x67;&#117;&#x79;&#x2e;&#112;e&#x65;&#114;&#64;&#x69;&#x64;&#105;&#x76;&#x2e;&#100;e\">&#x67;&#x75;&#x79;&#x2e;&#x70;&#x65;&#x65;&#x72;&#x40;&#x69;&#x64;&#x69;&#x76;&#x2e;&#x64;&#x65;<\/a><\/p>\n<\/div>\n                            <\/div>\n                        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>\n\n<div class=\"textbildrepeater pb-24 pt-0 no-bg modulclass \" id=\"\">\n    <div class=\"container\">\n        <div class=\"row\">\n                                                                <div class=\"pb-24   mod_text  col-md-12 offset-md-0 pos_top\">\n                            <div class=\"textrepeater \" id=\"\">\n    <p><em>Hinweis f\u00fcr die Medien: Die von iDiv bereitgestellten Bilder d\u00fcrfen ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Berichterstattung im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung und unter Angabe des\/der Urhebers\/in verwendet werden.<\/em><\/p>\n<\/div>\n                            <\/div>\n                        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leipzig\/Braunschweig\/Rostock. 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