18.09.2019 | iDiv, sDiv, Medienmitteilung, TOP NEWS

Klima und Biodiversität gehören zusammen – Klimawandel zerstört unsere natürlichen Lebensgrundlagen

Der Klimawandel wirkt sich auch massiv auf die Natur in Deutschland aus. Im Nationalpark Harz lassen Trockenheit und Borkenkäfer den Fichtenwald großflächig absterben. (Bild: Christian Müller)

Der Klimawandel wirkt sich auch massiv auf die Natur in Deutschland aus. Im Nationalpark Harz lassen Trockenheit und Borkenkäfer den Fichtenwald großflächig absterben. (Bild: Christian Müller)

iDiv-Forscher rufen bei Fridays-for-Future-Demonstration zum Schutz von Klima und Biodiversität auf.

Leipzig. Die Klimaerwärmung verändert die Natur mit all ihrer Vielfalt. Sie gefährdet die Bedingungen, von der unsere Ernährung und elementare Dinge des menschlichen Lebens abhängen. Zunehmende Knappheit von sauberem Wasser und fruchtbaren Böden könnten zu globalen Konflikten führen. Den Zusammenhang von Klima und Biodiversität thematisieren zwei iDiv-Wissenschaftler (Dr. Roel van Klink und Prof. Nicole van Dam) in ihren Reden bei der Leipziger Fridays-for-Future-Demonstration am 20. September. Zahlreiche Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) werden an der Demonstration teilnehmen. 

Geplante Rede des niederländischen iDiv-Wissenschaftlers Dr. Roel van Klink:

„Wir sind hier, um unsere Regierung daran zu erinnern, dass der Klimawandel die größte Bedrohung in der Geschichte unserer Zivilisation ist. Wir sind hier, um sie daran zu erinnern, dass sie die Pflicht haben, ihre Bürger vor den katastrophalen Folgen zu schützen, egal ob dies im nächsten Jahr oder in 200 Jahren der Fall sein wird. Und wir sind hier, um sie daran zu erinnern, dass sie die Macht haben, das Schlimmste zu verhindern.

Aber der Klimawandel ist nicht die einzige Bedrohung für die Zukunft der Menschheit. Die Zerstörung der Natur und ihrer Ressourcenvielfalt stellt eine zweite Bedrohung für unser Überleben dar. Denn wir sind auf die Natur angewiesen. Die Natur versorgt uns mit Nahrung, sauberem Wasser, Luft, Holz und Energie. Wir genießen es, in der Natur zu sein. Natur reguliert unser Klima. Das Klima reguliert die Natur. Dennoch zerstören wir die Natur in einem beispiellosen Ausmaß.

Es wird geschätzt, dass es auf der Erde etwa 8 Millionen Pflanzen- und Tierarten gibt. Laut dem Bericht des Weltbiodiversitätsrates vom Mai dieses Jahres sind eine Million dieser Arten vom Aussterben bedroht. Auch die Vielfalt unserer Nutztierarten nimmt ab. Fast 10% aller Haustierrassen sind bereits ausgestorben. Diese Verluste an Vielfalt gefährden unsere Ernährungssicherheit und unser Wohlbefinden. Und die Klimakrise wird das noch extrem verstärken.

Die Gründe für die Klima- und die Biodiversitätskrise sind eng miteinander verbunden: Überfischung und Entwaldung werden durch den Einsatz fossiler Brennstoffe ermöglicht. Die Nutzung fossiler Brennstoffe führt zu einer globalen Erwärmung, die das Absterben der Korallenriffe verursacht. Immer wieder tauchen neue Bedrohungen auf, wie die Plastikbelastung, die es heute überall gibt, mit unbekannten Folgen für unsere Gesundheit und unsere Umwelt. Aber gleichzeitig kann eine intakte Natur Lösungen gegen die Auswirkungen des Klimawandels bieten, z.B. durch Überflutungsschutz, wie hier im Leipziger Auwald, oder Kohlenstoffspeicherung in Mooren und Wäldern. 

Und deshalb müssen diese beiden Krisen gemeinsam angegangen werden.

Die wissenschaftlichen Fakten sind ganz klar: Wir können nicht so weiterleben, wie wir es jetzt tun. Wir brauchen grundlegende Veränderungen in unserem Wirtschaftssystem, um die Klimakatastrophe und das globale Massenaussterben zu verhindern. Wenn wir mit dem Business as usual fortfahren, wird dies zu Krieg, Hungersnot und Armut führen. Hunderttausende von Menschen werden aus ihren Häusern fliehen müssen, und viele Hunderttausende von Arten werden aussterben.

Was wir brauchen, ist die sofortige Einstellung der Treibhausgasemissionen und die Transformation zu einer nachhaltigen Zivilisation. Weil wir nicht aussterben wollen, und auch keine anderen Arten verlieren dürfen.

Hier beginnt die Veränderung. Mit uns allen. Und unsere Proteste werden nicht aufhören, bis wir eine bessere Zukunft gesichert haben. Für alle.

Danke!“

 

Geplante Rede der iDiv-Wissenschaftlerin Prof. Nicole van Dam (ebenfalls aus den Niederlanden):

„Es sollte jetzt allen klar sein: der Klimawandel ist da. Es wird immer wärmer auf der Erde und auch in unseren Städten. Vor allem Bäume leiden darunter. Viele von euch haben bestimmt schon gesehen, dass in den schönen Parks, Gärten und Friedhöfen von Leipzig verschiedene Bäume braun geworden sind. Auch die Felder im Umkreis werden braun, und die Wiesen sehen im Sommer so verbrannt wie in Süd-Frankreich aus, wenn nicht viel gewässert wird. Das ist ein konkreter Vorgeschmack auf die Folgen des Klimawandels: Es wird immer mehr Klimaextreme geben: also heiße, trockene Sommer, abgewechselt mit heftigen Regenschauern, die auch zu Hochwasser führen können.

Das Sterben der Bäume ist eine schlechte Nachricht; Bäume liefern uns frische Luft, weil sie Staub aus der Luft filtern, und sie produzieren Sauerstoff. Sie sind auch eine wichtige Ressource für viele Insekten, Nagetiere und Vögel. Dabei wissen wir, das grüne Bäume in unserer Wohnumgebung uns entspannen und uns gesund halten. Wenn die Bäume sterben, wird es den Insekten, Vögeln und auch uns Menschen bald schlechter gehen.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Wir können als Bürger von Leipzig selbst was dafür tun, dass der Klimawandel gedämpft wird. Ich habe dafür drei konkrete Anregungen:

Erstens: Nehmt das Fahrrad, wenn ihr in die Stadt fahrt. Leipzig ist ziemlich flach, Fahrrad fahren ist nicht so anstrengend. Es regnet auch lange nicht so oft wie in den Niederlanden, wo ich herkomme. Dabei hält Radfahren uns mobil und gesund! Woran es hier in Leipzig mangelt, aber, sind sichere Fahrradwege. Es gibt schon welche, z. B. an der Prager Straße, aber an vielen Punkten ist es gefährlich, Fahrrad zu fahren. Und wieso werden hier in Leipzig im Winter die Fahrradwege kaum gestreut, und sogar der Schnee von der Fahrbahn auf die Fahrradwege gekehrt? Das geht auch anders: In Nijmegen, wo ich vorher an der Uni tätig war, hat man im Winter erst die Fahrradwege freigemacht, und dann die Fahrbahn für Autos. Das motiviert, auch im Winter das Fahrrad zu benutzen und das Auto stehen zu lassen.

Als Alternative, kann man auch die Straßenbahn, den Bus oder die S-Bahn nehmen. Leipzig hat ein super ÖPNV-Netzwerk, daran soll es nicht liegen. Leider sind die öffentlichen Verkehrsmittel in Leipzig viel zu teuer im Vergleich zum Parken in der Stadt – das ist echt viel zu billig. Wenn ich mit zwei Personen gelegentlich mal zwei Stunden zum Shoppen in die Stadt fahren will, bezahle ich mit der Straßenbahn 5,40 Euro hin und 5,40 Euro zurück. Dafür kann ich fünf Stunden lang mein Auto unter dem Augustusplatz parken! Also, ein Gratis-Tipp für die Stadt Leipzig: ein Wochenende-Ticket für die Bürger von Leipzig, womit sie am Wochenende für 1 Euro eine Strecke fahren können. Damit können viele dann das Auto zuhause lassen.

Und als Letztes: Liebe Leipziger, hegt und pflegt eure einzigartige Kleingartenkultur! Die Kleingärten halten die Stadt grün und die Einwohner gesund. Und es kann auch den Insektenbestand verbessern, vor allem wenn die Kleingärtner/innen für viel Biodiversität und Grün im Garten sorgen. Lasst auch gerne mal ein bisschen Baumschnitt liegen oder „Unkraut“ für die Insekten stehen, die da einen Unterschlupf finden. Und liebe Stadt Leipzig, lasst die Kleingärten in Ruhe. Immer wieder höre ich in der Jahresversammlung von unserem Kleingartenverein, wie die Stadt Leipzig ein gieriges Auge auf unsere Gartenflächen wirft, weil sie da Wohnungen bauen will. Natürlich, die Menschen müssen auch wohnen, aber was nutzt uns eine Wohnung, wenn alles um uns herum grau ist, die Luft verschmutzt, und bei Regenfall der neue Keller unter Wasser steht, weil alles betoniert ist?

Liebe Leipziger, ich liebe unsere grüne Stadt, wo ich seit 5 Jahren zu Hause bin. Wir zusammen können dafür sorgen, dass sie grün bleibt, und damit auch den Klimawandel und seine Folgen dämpfen. Bitte macht alle mit!“


 

Ansprechpartner:

Dr. Roel van Klink
Postdoktorand am Synthesezentrum sDiv
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig
Tel.: +49 341 9733135
E-Mail: roel.klink@idiv.de
Web: www.idiv.de/de/gruppen_und_personen/mitarbeiterinnen/mitarbeiterdetails/788.html

 

Prof. Dr. Nicole van Dam
Leiterin der Forschungsgruppe Molekulare Interaktionsökologie
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Tel.: +49 341 9733165
E-Mail: nicole.vandam@idiv.de
Web: www.idiv.de/de/das_zentrum/mitarbeiterinnen/mitarbeiterdetails/eshow/van-dam-nicole.html

 

Sebastian Tilch
Abteilung Medien und Kommunikation
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig
Tel.: +49 341 9733197
E-Mail: sebastian.tilch@idiv.de
Web: www.idiv.de/de/gruppen_und_personen/zentrales_management/medien_und_kommunikation.html

 

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