Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
Halle-Jena-Leipzig
 
03.02.2016 | TOP NEWS, Experimentelle Interaktionsökologie

Gerodete Tropen-Wälder können sich schneller erholen als gedacht

Projekt „Agua Salud“ in Panama (Foto: Dylan Craven/iDiv)

Projekt „Agua Salud“ in Panama (Foto: Dylan Craven/iDiv)

Nirgendwo sonst auf der Welt schreitet die Entwaldung so schnell voran wie in den Tropen, wo Menschen die gerodeten Flächen zum Anbau von Lebensmitteln oder für die Viehhaltung nutzen. Nachdem die Flächen wieder verlassen wurden, entstehen dort jedoch innerhalb weniger Jahrzehnte wieder neue Wälder. Das ist das Ergebnis einer Studie, die ein internationales Forscherteam diese Woche im Fachjournal Nature veröffentlicht hat. Unter den Autoren ist auch der iDiv-Wissenschaftler Dylan Craven.

Die Forschenden haben 45 Sekundärwald-Flächen in den Tropen Lateinamerikas untersucht. Ihre Analyse zeigt, dass es durchschnittlich nur 66 Jahre dauert, bis die Wälder wieder 90 Prozent ihrer ursprünglichen Biomasse erreicht hatten. Bisher hatte es keine zuverlässigen Schätzungen zur Erholung der Biomasse in tropischen Sekundärwäldern gegeben. Die untersuchten Wälder waren außerdem nicht nur sehr produktiv und widerstandsfähig, sondern konnten auch mehr Kohlenstoff speichern als ältere Wälder.

Die Erholung der Biomasse war jedoch abhängig von Umweltfaktoren, vor allem von der Wasserverfügbarkeit, die wiederum vom lokalen Klima bestimmt wird. Die Studienautoren haben eine Landkarte von Lateinamerika angefertigt, die künftig Entscheidungsträgern das Management erleichtern soll. In der Landkarte sind einerseits Flächen dargestellt, in denen die Wälder ohnehin empfindlich sind und wo es daher besonders wichtig ist, die Entwaldung einzudämmen. Andererseits zeigt die Landkarte auch sehr robuste Flächen, wo von Maßnahmen zur Erholung der Flächen ein besonders positiver Effekt auf die Kohlenstoffspeicherung zu erwarten ist.

Der iDiv-Wissenschaftler Dylan Craven hat zur Nature-Studie Daten aus dem Projekt „Agua Salud“ in Panama beigetragen. Ziel dieses Projektes ist es, die Mechanismen zu verstehen, die die Bereitstellung von Ökosystemleistungen in tropischen Regenwäldern bestimmen. Craven ist Teil des Forscherteams, das dieses Projekt etabliert hat – die größte Studie in neotropischen Sekundärwäldern. Untersuchungen, wie lokale Faktoren die Erholung von Ökosystemfunktionen beeinflussen, nachdem ehemals vom Menschen genutzte Flächen wieder sich selbst überlassen werden, bilden einen Schwerpunkt seiner Arbeit.

 

Publikation:
Lourens Poorter et al. (2016): Biomass resilience of Neotropical secondary forests. Nature, 04 Feb 2016, doi:10.1038/nature16512
http://nature.com/articles/doi:10.1038/nature16512

Kontakte:
Lourens Poorter (Corresponding Author)
Wageningen University, Wageningen, Netherlands
Tel: +31 317 486216
https://www.wageningenur.nl/de/Personen/dr.ir.-L-Lourens-Poorter-1.htm

Dr. Dylan Craven
Experimentelle Interaktionsökologie am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig
https://www.idiv.de/de/das_zentrum/mitarbeiterinnen/mitarbeiterdetails/eshow/craven-dylan.html

Links:
The Agua Salud Project
http://www.ctfs.si.edu/aguasalud/

Diese Seite teilen:
iDiv ist ein Forschungszentrum derDFG Logo
toTop