Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
Halle-Jena-Leipzig
 

Interview mit Renske Onstein

Die Niederländische Biologin Dr. Renske Emilie Onstein leitet ab Juni die neue iDiv-Junior-Forschungsgruppe „Evolution und Adaptation“. Onstein hat zuletzt am Institut für Biodiversität und Ökosystemdynamik der Universität Amsterdam gearbeitet. Ihre Doktorarbeit hat Onstein über die Evolutionsbiologie von Blütenpflanzen in der Erdneuzeit geschrieben; an der Universität Zürich wurde sie mit Auszeichnung promoviert. Mit einem Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) arbeitete sie anschließend an der Université Paris-Sud. Onstein hat sich auf blühende Pflanzen (Angiospermen) in tropischen Regenwäldern bis hin zu mediterranen Ökosystemen spezialisiert. Dazu hat sie in zahlreichen Botanischen Gärten geforscht und Feldstudien in Afrika, Asien, Australien, Europa und Lateinamerika betrieben. Renske Onstein wurde von Tilo Arnhold (iDiv M&C) interviewt.

 

 

Tilo Arnhold: Wie haben Sie von der Ausschreibung erfahren und weshalb hat Sie diese interessiert?

Renske Onstein: Ich habe davon gehört nachdem ich letztes Jahr die Arbeitsgruppe von Prof. Alexandra Muellner-Riehl (Professur für Molekulare Evolution und Systematik der Pflanzen) an der Universität Leipzig besucht hatte, um ein Seminar zu geben. Die Forschungsziele von iDiv sind mir vertraut und ich dachte, meine Forschung würde gut dazu passen. Unser Verständnis von Biodiversitätsmustern und –prozessen ist ähnlich, aber die evolutionäre Perspektive fehlte bei iDiv bisher weitgehend. Meine Forschung könnte daher spannende Möglichkeiten der Zusammenarbeit bieten.

 

Arnhold: Weshalb sind „Evolution und Adaptation“ wichtig für die Biodiversität und letztlich auch für die Menschheit?

Onstein: Um die Vielfalt des Lebens schützen zu können, muss man verstehen, wie diese Vielfalt entstanden ist – räumlich und zeitlich. Deshalb müssen wir die Entstehung von Organismengruppen kennen: Wann, wo und warum haben sie sich entwickelt? Warum haben sie bestimmte Merkmale entwickelt? Solche Merkmale (z. B. Blattgröße und -dicke bei Pflanzen) sind wiederum unerlässlich für das Verständnis von Ökosystemfunktionen und -prozessen (z. B. Kohlenstoffaufnahme), die für den Menschen wichtig sind. Geschichte, Evolution und Anpassungsprozesse der Biodiversität zu verstehen ist deshalb von großer Bedeutung in einer sich schnell verändernden Welt.

 

Arnhold: Auf welche Aspekte werden Sie sich in Ihrer Forschung konzentrieren?

Onstein: Meine Forschung hat einen starken Fokus auf evolutionäre Prozesse der Artenbildung, des Aussterbens und der Anpassung über Zeiträume von Millionen von Jahren. Ich nutze phylogenetische und vergleichende Methoden, um diese zu untersuchen, und arbeite dabei auch mit Fossilien. Seit kurzem interessiere ich mich zudem für etwas jüngere Zeitskalen und die Evolution und Anpassung von Organismen. Ich möchte diese beiden Zeitskalen kombinieren, um zu verstehen, wie sich Blütenpflanzen (Angiospermen) entwickelt und an die Ausbreitung durch bestimmte, fruchtfressende Tiere (Frugivoren) auf Madagaskar angepasst haben. Besonders interessiert mich das Aussterben der Riesen-Lemuren, die früher wichtige Fruchtfresser und Samenausbreiter waren, und die Folgen für Pflanzen mit sehr großen Früchten (vergleichbar mit der Avocado oder Mango). Werden sie noch verbreitet? Von welchen Tieren? Passen sie sich an neue Fruchtfresser an? Und leiden sie unter den gesunkenen Ausbreitungschancen und stehen vor dem Aussterben? Wie haben sich ihre Vorfahren an frühere globale Veränderungen oder an Verschiebungen in der Zusammensetzung der Fruchtfresser-Gemeinschaften angepasst?

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