Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
Halle-Jena-Leipzig
 
09.03.2016 | Biodiversität und Naturschutz, TOP NEWS, GEO BON

IPBES hat seine ersten zwei Assessment-Berichte veröffentlicht

Die Delegierten feiern die Annahme des IPBES-Berichts zu Bestäubern, Bestäunung und Nahrungsmittelproduktion. Foto: IPBES

Kuala Lumpur. Der Bericht zu Bestäubern, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion sowie der methodische Assessment-Bericht zu Szenarien-Analysen und Modellierung wurden vom Weltbiodiversitätsrat IPBES auf seiner 4. Vollversammlung (22.-28.2.16) in Kuala Lumpur/Malaysia verabschiedet. Beide Berichte wurden co-koordiniert von Wissenschaftlern und Mitgliedern des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv).

 

Große Lücken bei den Daten zu Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen

IPBES gab den Abschluss des Berichts zu Szenarien-Analysen und Modellierung bekannt, der einen neuen Ansatz bietet, um Politikern dabei zu helfen, die Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf die Biodiversität und die Ökosystemdienstleistungen zu überprüfen. Der Bericht The Methodological Assessment of Scenarios and Models of Biodiversity and Ecosystem Services wurde von den Vertretern der 124 IPBES-Nationen verabschiedet. Einer der koordinierenden Leitautoren dafür war Henrique M. Pereira vom iDiv und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Der Bericht beschreibt, wie Szenarien und Modelle Entscheidungsträger unterstützen können, die Auswirkungen ihrer Entscheidungen in der Zukunft besser abzuschätzen. Beispiele sind die Nutzung von Szenarien und Modellen für nachhaltige Fischerei oder eine Landnutzungsplanung, die sowohl wirtschaftliche Entwicklung als auch Naturschutz berücksichtigt. Die Szenarien und Modelle werden helfen, die regionalen und globalen Assessments von IPBES besser zu nutzen. Dieser Assessment-Bericht wurde von 83 Experten verfasst, zitiert mehr als 3000 wissenschaftliche Veröffentlichungen und berücksichtigt in einem zweistufigen Verfahren insgesamt 4066 Kommentare von 230 unabhängigen Gutachtern. „Wir haben gezeigt, dass Szenarien, die die Konsequenzen verschiedener Politikoptionen für die Biodiversität und die Ökosystemdienstleistungen vergleichen, präzise durch verfügbare Modelle überprüft werden können. Wir haben außerdem wichtige Lücken bei den Daten zum Biodiversitätswandel und wichtige Forschungsrichtungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft identifiziert. Mit diesem Bericht bieten wir die wissenschaftliche Basis für die globalen Assessments von IPBES und damit schließlich für den Schutz der Biodiversität in der Zukunft“, sagte Prof. Henrique Miguel Pereira, Leiter der Forschungsgruppe Naturschutz am iDiv und der MLU.

„Frühere Ergebnisse von IPBES haben bereits den einmaligen Wert dieser Plattform unterstrichen. Die aktualisierten umfassenden Berichte von IPBES werden sicherzustellen, dass wir das beste verfügbare Wissen für eine globale nachhaltige Entwicklung nutzen können“, sagte Achim Steiner, geschäftsführender Direktor des UN-Umweltprogrammes UNEP.

 

Bestäuber sind ökonomisch, sozial und kulturell wichtig

Der Methoden-Bericht wurde nach dem Bericht zu Bestäubern, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion angenommen. Einer der koordinierenden Leitautoren ist das iDiv-Mitglied Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).

Eine steigende Anzahl an Bestäuberarten weltweit ist durch diverse Faktoren vom Aussterben bedroht. Viele davon sind vom Menschen verursacht und bedrohen die Existenz von Millionen Menschen und Nahrungsmittel im Wert von Hunderten Milliarden Dollar, so der erste globale Bericht zu Bestäubern. Die Ergebnisse der zweijährigen Studie wurden vom IPBES-Plenum am 26. Februar 2016 verabschiedet und zeigen Wege auf, wie Bestäuberpopulationen künftig geschützt werden könnten. Zu den von Bestäubung abhängigen Produkten gehören Obst, Gemüse, Samen, Nüsse und Öle. Viele von ihnen sind wichtige Quellen für Vitamine und Mineralstoffe, ohne die sich die Risiken der Unterernährung erhöhen könnten. Verschiedene Kulturen sind zudem eine wichtige Einnahmequelle in den Entwicklungsländern wie zum Beispiel die Produktion von Kaffee und Kakao. Zwischen 235 und 577 Milliarden US-Dollar der globalen Nahrungsmittelproduktion ist direkt von Bestäubern abhängig.  So stammt Schokolade zum Beispiel von den Früchten der Kakaobäume. Diese bringen jedes Jahr einen Ertrag von etwa 5,7 Millliarden US-Dollar. "75 % der Nahrungspflanzen der Welt hängt von der Bestäubung ab. Aber es sindnicht nur die Bienen, von denen wir global etwa 20.000 Arten haben. Es gibt auch viele Arten von Schmetterlingen, Motten, Wespen, Käfern, Fransenflüglern, Vögeln, Fledermäusen und anderen Wirbeltieren, die zur Bestäubung beitragen. Diese Fakten zeigen: Bestäuber sind wirtschaftlich, kulturell und sozial wichtig ", sagt Dr. Josef Settele vom UFZ und iDiv.

„Bestäubungsdienstleistungen sind eine landwirtschaftliche Investition, die verschiedenste Ernten sichert. Alle Landwirte und ganz besonders kleine Familienbetriebe überall auf der Welt profitieren von diesen Dienstleistungen. Maßnahmen für eine höhere Bestäuberdichte und -vielfalt haben einen direkten positiven Einfluss auf die Ernteerträge und tragen so zur Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit bei. Folglich ist es wichtig, die Bestäubungsdienstleistungen zu verbessern, um sowohl die Ziele der nachhaltigen Entwicklung zu erreichen als auch Kleinbauern zu helfen, sich an den Klimawandel anzupassen“, sagt José Graziano da Silva, Generaldirektor der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO.

 

 

Links:

IPBES: Scenarios and modelling

http://www.ipbes.net/work-programme/scenarios-and-modelling

Scenarios and models – IPBES' first methodological assessment completed: what's it about? A comment by Elisabeth Marquard, NeFo, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung-UFZ

http://www.biodiversity.de/index.php/ipbes/ueber-ipbes/meetings/4-plenum/blog-ipbes-4/5941-scenarios-and-models

IPBES: Pollination

http://www.ipbes.net/work-programme/pollination

UFZ: Bericht zur weltweiten Lage der Bestäuber

http://www.ufz.de/index.php?de=36336&webc_pm=8/2016

NEFO zur 4. Vollversammlung von IPBES

http://www.biodiversity.de/index.php/ipbes/ueber-ipbes/meetings/4-plenum/blog-ipbes-4

 

Kontakte:

Prof. Henrique Miguel Pereira

https://www.idiv.de/the-centre/employees/details/eshow/pereira-henrique-miguel.html

http://www.de-ipbes.de/media/content/PEREIRA_IPBES%20Scenarios%20-%20German%20Forum.pdf

PD Dr. Josef Settele

http://www.ufz.de/index.php?en=38572

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